Vorwort:
Dieser Bericht über das Lager will keine globale Zusammenfassung sein. Vielmehr soll er alltägliche Kleinigkeiten und Episoden darstellen und- so etwas die Stimmung im Lager und zwischen den 'Teilnehmern wieder aufleben lassen. Daß dabei die eine oder andere Person auch mal in einer nicht überragenden Situation gezeigt wird, liegt in der Natur dieses Berichts und geschieht sicher nicht, um jemandem "auf den Schlips (bzw. auf das Halstuch) zu treten".
Gut Pfad und viel Spaß beim Lesen
Marc Ebersoldt


Die Teilnehmer (in alphabetischer Reihenfolge)
aus der Pfadfinderstufe:
Lagerhäuptling Klaus Mayer
„Kaecks" (Stefan Klein)
Andre Danneschewski, Martin Divisek
Andreas Grünberg Thorsten Jakobs
Oliver ("Oli")Jansen, Mark ("Knüppel")Knüppel
Volker Müller

von den Wattrovern:
Horst („Hotte“) Hoffmann.
Marc Ebersoldt, Mikel Hauck
Martin Hellwig, Norbert Krott
Karsten Lohn, Stefan ("Sybi") Syberichs

Gruppe Christoph":
(Tupelo-Rover).
Christoph Loup, Thilo Hauk
Jens Petri, Stephan Schilde

aus der Jufistufe, doch
nur als „Henne" im Korb mitgenommen.
Silvia Müller


Es waren einmal 21 Pfadfinder aus Jülich die wollten in Schweden ein Sommerlager veranstalten ...
Nein. Es gibt sie wirklich.

Also müssen wir anders anfangen: Am 6.Juli des Jahres 1988 treffen sich 20 Pfadfinder, Rover, Leiter und "Busfahrer" Christoph nebst noch mehr aufgeregten Müttern um 15.30 vor den Toren der St. Franz Sales-Kirche, um von Pfarrer Esters den Segen zu erhalten, der besonders dem Fahrer ausgesprochen wird. Um 16.15 schließlich ist nach zahlreichen rührenden Abschiedsszenen auch der letzte im Bus, und die große Fahrt kann beginnen. Um 19.00 gibt es dann eine erste Pause im Tecklenburger Land wo das Interesse einiger Pfadfinder und Rover (Namen werden zumeist nicht genannt!!) besonders einem bestimmten Automaten auf der Herrentoilette gilt, der leider kaputt ist. Die Betreffenden werden jedoch beim zweiten Halt im Süden von Hamburg endlich fündig (etwas zum Unwillen der Leiter, die die gezogenen Produkte für die Zeit des Lagers konfiszieren (warum wohl!?)
Weiter geht es, um 0.15 passieren wir den Fehmarnsund, und gegen 0.30 kommen wir am Fährhafen Puttgarden an, wo sofort die Frage auftaucht: „Wie geht's nun weiter?" Schließlich kommen wir ganz knapp noch auf das Fährschiff „Deutschland", und um 1.10 legen wir ab. Nach gut einstündiger, ruhiger Fahrt unter wetterleuchtendem Himmel befahren wir in Rodbyhavn um 2.25 zum ersten Mal dänischen Boden. Nach einer Schlafpause auf einem Parkplatz hinter Rodby, die gegen 5.00 durch Silvias Gekreische ein jähes und rüdes Ende findet, setzen wir die Fahrt fort und erreichen kurz vor 8.00 den Fährhafen Helsingor, von wo aus wir mit "Prinsesse Anne Marie" nach Helsingborg übersetzen. Dort bleibt die liebe Silvia etwas zu lange auf dem Schiffs-WC und muß die Fähre zu Fuß verlassen, da der Bus schon weg ist. Um 11.00 schließlich sind wir in Ryd, doch nun, auf den letzten Metern herrscht die größte Ratlosigkeit, wo denn nun Blidingsholm liege. Nach Fragen erreichen wir endlich doch unseren Lagerplatz (7.7.1988; 11.18).

Blidingsholm ist ein ganzer Komplex von einzelnen Lagerplätzen, in dessen Zentrum das Haus des Besitzers Carl-Gustaf Gustafson sowie ein Hangar mit Kanuverleih und (warmen) Duschen liegen. Direkt an den schilfbestandenen Ufern des hier seeartigen Mörrumsan-Flusses gelegen, verfügt unser Einzelplatz über einen bankumringten Feuerplatz mit einem flachen Holzhäuschen, welches wohl für Brennholz bestimmt ist oder als Unterkunft für Kanufahrer, von uns in den ersten Tagen aber als Küche mißbraucht wird. An sanitären Einrichtungen weist er eine zweiständige "Gaskammer" (Pardon, Plumps Klosett mit Mülltüten zum Auswechseln) und einen überdachten Waschstand auf. Trinkwasser kommt aus einer Handpumpe am Ende des Platzes. Zum Fluß hin führen eine flache Landestelle (für Kanus) und ein schwimmender Holzsteg (meist zum Baden genutzt).
Soweit eine kurze Platzbeschreibung.


Der Lageraufbau und das Fällen der Bauholzstämme gehen mit sehr unterschiedlichem Arbeitseifer von Statten, so daß die kurze und formlose Lagereröffnung durch Lagerhäuptling Klaus mit einer Rüge beginnen muß. Danach verläuft der Nachmittag geruhsam mit ersten Kanu- (erfolgreich) und Angel: (weniger erfolgreich) versuchen. Dabei entdecken wir auf der anderen Seite des Sees, dem Lager gegenüber, einen engen, wildromantischen Natur „Kanal" durch Ward. und Schilf ("...es fehlt nur noch ein Krokodil und der Amazonas ist komplett ...“). Ober- und unterhalb des Lagers befinden sich Wehre mit Fischfangvorrichtungen. Abends zwingt ein plötzlicher Regenschauer alle in die Zelte, und die meisten liegen (nach der letzten Nacht und der anstrengenden Fahrt) früh im Bett. Nur wenige halten bis 23.00 durch.


Am nächsten Tag, wir schreiben den 8.7., erfolgt das Morgenwecken durch die Privatdisco vom Lagerplatz nebenan, wo 250 "Falken" (sozialistische Jugendorganisation) aus Berlin in einer wahren Zeltstadt hausen. Wir fahren alle nach Ryd, um den Ort kennenzulernen, und müssen wiederum die beschränkte Geländegängigkeit unseres Busses auf den z. T. sehr welligen Wegen in Blidingsholm feststellen. Später gibt es Kurzweile, Kanu und Angeln, wobei Christoph seinen Mißerfolg von Guernsey ausgleichen kann (5 Barsche und 1 Hecht, der abends verspeist wird, in 1 1/2 Stunden). Abends schließt sich eine leidenschaftlich geführte Diskussion über Sinn oder Unsinn der Petromax an.


Der 9.7. gestaltet sich als Lagerumbautag: 2 kleine Zelte werden versetzt, und unter Oberleitung von Kaecks werden Küchenmöbel gezimmert (mit Seilen natürlich!), worauf die Küche in die Jurte umziehen kann. Mittags kaufen wir für das Abendessen frische Aale (5,3 kg für 320 Kr), die im Laufe des Nachmittags von Klaus, Horst und Karsten ausgenommen werden (Lagerattraktion Nr.1!!). Des Weiteren repariert Kaecks, angeregt durch die gestrige Diskussion, die Petromax und endlich wird auch die Küche fertig. Erwähnenswert aus dieser Zeit wäre noch eine Glanztat von Torsten: Dieser rennt 3x mit je einer Tasse Wasser (Trinkwasser!) aus der Küche zur Pumpe, um sie zu aktivieren, und das alles, um eine Tasse Wasser aus der Pumpe zu zapfen.
Abends wird dann mit voll aufgedrehten Lautsprechern bei den "Falken" der Geburtstag eines ihrer Oberlagergenossen mit provokant-marxistischen Reden, allgemeinem Absingen der "Internationalen" (nur der Mann am Mikro war zu hören!!) und mehrmaligem Abspielen der sowjetischen Nationalhymne gefeiert. Nach letzterer gehen Christoph und Norbert, unwissend, um was es sich handelt, hinüber, "um nach dem Namen dieses schönen Chores zu fragen": Dieses wird sofort mittels der modernen Unterhaltungselektronik aller Welt kundgetan: "Auch die Genossen aus dem Pfadfinderlager gratulieren!" Erwähnt werden sollte noch, daß wir uns in keiner Weise provozieren lassen, wenige schauen überhaupt zum Falkenlager hinüber, und nur Horst muß gebremst werden in seinen Reaktionen. Eine Folge dieser unserer Haltung ist später ein Demozug unter der roten Fahne an unserem Lager vorbei. Als alles vorüber ist, gibt es bei uns ein Plenum über Essen, Küchendienst, allgemeine Probleme etc., welches durch den Besuch eines Wuppertaler Pfadfinderleiters beendet wird.


Am nächsten Morgen, wir haben mittlerweile den 10.Juli, zeigt sich wiederum der zunehmende Verfall der Pfadfindersitten: Vor 8.45 ist niemand aus dem Bett zu holen. Dann, nach dem letzten gemeinsamen Frühstück, beginnt für die Pfadfinder das große Packen für ihre Kanuhike. Dieses ist gekennzeichnet durch ein noch viel größeres Durcheinander und Chaos: ...“Was nimmst du denn noch mit?“...“Wo ist noch ein Müllsack?"...“Das ist doch viel zu viel zum Mitnehmen!"...,“Knüppel fängt schon mit Einzelteilen im Boot an.".... Während die einen aufgeregt herumrennen, legen andere eine wahrhaft stoische Ruhe an den Tag (siehe. Andre). Nach einigen Problemen mit dem Kanuverleih (zu wenige Boote standen zu spät zur Verfügung) brechen schließlich, nach eingehender Kontrolle der Ladung durch Klaus, 7 Pfadfinder und 2 Leiter in 4 Kanus auf. Die damit im Lager einkehrende Ruhe ist wohl als Ursache dafür anzusehen, daß Silvia erst gegen Mittag aus dem Zelt kommt. Nach dem Sonntagsessen beginnt Horst mit der "Gruppe Christoph" ein großes Schwarze-Sau-Turnier, das sich über den Rest des Aufenthalts hinziehen wird und dessen erste "Tagesetappe" Horst prompt gewinnt. Später macht Christoph Pfannkuchen für alle (normalerweise führt die "Gruppe Christoph" ihren eigenen Haushalt!), und wir begehen das Sakrileg, mit den 'Falken" (nicht gegen sie!!) Fußball zu spielen, zuerst mit gutem Einsatz, später stark abflachend.
Ausgetobt von diesem Standfußball bleiben dann einige unserer Discohaie bis spät in der Berliner "Kindergartendisco" (Horst sinngemäß), während Silvia mit Karsten und Thilo bei uns im Lager Trockenübungen macht (im Tanzen zur herüberschallenden Musik natürlich!!). Später entbrennt am Lagerfeuer mit Horst eine "ernste" Diskussion über Stadt- und Stammesprobleme, während Silvia, Martin H. und Thilo einen nachmitternächtlichen Ruderausflug machen....
Diesem langen Abend entsprechend geschieht am Morgen (11.Juli) das Wecken nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Disco von nebenan. Danach fahren alle "Lagerinsassen" nach Ryd, um die Vorräte aufzufrischen, und nachmittags herrscht das große Faulenzen, das Martin H. treffend mit den Worten charakterisiert: "Wir warten, bis einer kommt, der fragt, worauf wir warten." Nichtsdestotrotz kommt irgendwann die Schwarze-Sau-Runde wieder ins Laufen, und der Nachmittag endet als großer Waschtag. Zum Abendessen gibt es Pfannkuchen, diesmal von Norbert und Silvia und mit ausreichend Eiern im Teig.
Leider sind wir so leichtsinnig und geben einige Pfannkuchen 2 Berlinern ab, die gerade bei uns im Lager sind, was zur Folge hat, daß immer mehr "Falken" kommen und was haben wollen. Später bieten Samson und einige andere Berliner Gruppenleiter am Badesteg eine Gratis-Strip-und-FKK-Vorstellung, was vor allem bei Horst große Aufregung hervorruft (Entrüstung!!). Silvia jedenfalls soll angeblich Stilaugen gekriegt haben. Hiernach fährt sie mit Thilo und Karsten per Kanu zu den Krefelder Pfadfindern in der Nähe, doch gegen 24.00 bricht ein schweres Gewitter über Blidingsholm herein. Die vollaufende Jurte ist für unseren "Katastrophenschutz" kein Problem, doch dann beginnt das bange Warten auf unsere Kanufahrer, deren Navigation durch einen "Leuchtturm" bei uns im Lager erleichtert werden soll. Gegen 3.00 kommen sie endlich wieder und erzählen, daß sie bei den Krefeldern im Lager bleiben konnten, als der Regen kam.


Da es am Morgen, wir schreiben den 12.7., kein Wecken durch die Disco der Berliner gibt, deren Verbleiben unbekannt ist, wachen wir erst spät auf. Der Tag wird verbracht mit Faulenzen und Sonnen, und nachmittags testet Horst, nachdem sein Kanu gekippt worden ist, dessen U-Boot-Fähigkeiten (es taucht zwar unter, doch der "Kapitän" bleibt über Wasser). Später kommen die Pfadfinder von ihrer Hike wieder, und während noch Erfahrungen weitergegeben werden, greift der Lagerkoller rasend um sich, was sich für die meisten Lagerinsassen in einem (oder mehreren) "Freiflügen" ins Wasser auswirkt.
Dabei zeichnen sich besonders Christoph und Norbert als Schwerstarbeiter aus. Sie sind es auch, die am Abend, sozusagen als Neuerung, Pfannkuchen einführen, was Horst zu der Bemerkung veranlaßt: "Ich nehme hier wirklich noch ab - 3 Tage Pfannkuchen!" Anschließend gibt es auf dem See eine Schlacht zwischen 4 Booten, welche zu folgendem Ergebnis führt: 4 Wasserleichen, 2 Schiffswracks, 1 abgesoffene Kamera. Der Ablauf der Aktionen ist dermaßen spannend, daß er hier kurz wiedergegeben werden soll:
Thilo fällt aus seinem Kanu ins Wasser und Martin H, der im selben Boot sitzt, mitsamt Silvias Kamera hinterher. Darauf will Thilo das Kanu Stefan Sch.-Oliver kapern, wobei Stefan im letzten Moment in ein anderes Boot umsteigt, während Oliver es nicht mehr schafft und mitsamt Kanu entert. Um nun sein "Gastboot" vor Thilos Angriffen zu retten, geht Stefan schließlich freiwillig ins Wasser.


Am nächsten Tag, dem 13.7., herrscht wieder Aufbruchsstimmung im Lager, da heute die Rover und Silvia zur Hike in See stechen wollen. Nach wenigen, aber chaotischen Vorbereitungen geht es dann punkt 12.00 los. Flußaufwärts fahren wir nach Urshult, wo es Mittagessen und zwei Stunden Pause (zum Mittagsschläfchen halten!?) gibt. Außerdem werden die Vorräte, aufgefüllt. Dann geht es weiter nach Norden, in Richtung des großen Sees Asnen. Gegen 18.00 kommt es zu ersten internen Reibereien, als Norbert für die Nacht auf einer bestimmten Insel bleiben möchte, während andere noch weiterkommen wollen. Letztere setzen sich schließlich durch, und so paddeln wir also weiter.
Diese Weiterfahrt wird überschattet von dauernden Streitereien zwischen Norbert, der halten will, und Christoph, der noch vorankommen will: Der Halt an einem Campingplatz führt wieder zu Auseinandersetzungen, doch nach demokratischer Abstimmung (50:50) setzen wir die Fahrt fort und schlagen unser Lager etwas weiter auf einem anderen Campingplatz, auf einem Landsporn, auf. Mit zwei Kotenplanen und einer grünen (Küchen-)plane bauen wir die Unterkünfte für die Nacht, doch als das Essen gemacht werden soll, stellen wir fest, daß Horst den Kocher vergessen hat, sodaß wir erst Holz suchen und dann über Feuer backen müssen. Um 22.00 wollen nach fast 19 geruderten Kilometern die meisten die Nachtruhe genießen und einschlafen, doch die zahlreichen Mücken machen dem einen Strich durch die Rechnung, worauf ein wahrer Wettbewerb an "Mückenschutzbauten" aus Handtüchern, Hemden, Schwimmwesten etc. einsetzt. Dank dieser Vorsichtsmaßnahmen können wir zuguterletzt doch recht sicher schlafen.


Dementsprechend wachen wir am 14.7. auch erst kurz vor 10.00 auf, worauf das Lager in aller Eile abgebrochen wird. Da haben Christoph und Stefan Sch. die Idee, ihr Kanu in ein Segelboot zu verwandeln. Nach einigen Diskussionen über das Wie, kann das "nunmehr schnellste" Schiff der Flotte schließlich vom Stapel laufen. Dabei trägt ein Zwillingsmast aus zwei kleinen Holzstämmen ein Kotenblatt als Segel. Unter grauem Himmel geht es also weiter, auf den Asnen-See hinaus, doch nun stellt sich heraus, daß sich wohl einige Leute in der Windrichtung geirrt haben.
Als wir dann auch noch den Kurs ändern, müssen gerät unsere Segler nach gewissen Anfangserfolgen in einer lebensgefährlichen Aktion (die ohnehin schon geringe Kanustabilität war durch den Mast weiter verschlechtert worden) mitten auf dem See das Segel kappen (es war konstruktionsbedingt nur für Rückenwind geeignet). Im übrigen gestaltet sich die Navigation zwischen all den großen und kleinen Inseln des Asnen äußerst schwierig, selbst nach Karte (vor allem, wenn man den Kompaß auf eine Stahlkiste legt und so abliest). Außerdem läuft Horst auf die wohl einzige Untiefe in diesem Teil des Sees und muß von einem anderen Boot wieder freigeschleppt werden.
Doch trotz dieser Verzögerungen sind wir mittags in Hulevik, einem Weiler am Seeufer, wo wir im Windschatten der Kanus unser Süppchen kochen. Währenddessen bringt ein "Wettersturz" plötzlich stark einsetzenden Regen und Sturm, und der Seegang wächst beängstigend. Die dadurch verursachte Beratung über eine mögliche Weiterfahrt wird schließlich mit einem geistig-moralischen Kraftakt beendet: Wir kehren um und fahren in einem Stück durch bis Blidingsholm, unter Inkaufnahme einer Nachtfahrt durch die Kanäle am Ende des Heimwegs.
Also kämpfen wir uns gegen Wind und Wellen, die nun von vorne kommen, nach Süden. Doch da beginnt die graue Eminenz, HH, im Untergrund zu rumoren und zu agitieren, weil ihm diese "Flucht vor den Elementen" gar nicht paßt. Daher wird unter einer Drehbrücke nach weiteren Diskussionen der Beschluß von vorhin revidiert: Wir übernachten noch einmal irgendwo und kehren erst morgen zurück.
Naß bis auf die Knochen finden wir schließlich eine kleine Insel mit einer Feuerstelle, wo Christoph erst einmal einen abgestorbenen Baum fällt und ein wahres Höllenfeuer zum Trocknen all der Sachen entfacht. Diese werden leider vorne trocken und hinten wieder naß, da der Regen weiter anhält. Außerdem müssen wir nun feststellen, daß unsere Plane, als Zelt aufgespannt, eigentlich zu klein ist, um alle Mann (und Frau, entschuldige, Silvia) aufzunehmen, sodaß wir wie die Sardinen in der Büchse liegen. Dem ist es wohl auch zuzuschreiben, daß Horst, der vorne liegt, in den Regen gedrückt wird, naß wird und friert (es ist nicht bekannt, wie das kräftemäßig möglich gewesen sein soll!).


Dementsprechend ist seine Laune am Morgen des 15.7., was ihn dazu veranlaßt, alle zu wecken. Da er sich daraufhin jedoch wieder hinlegt, sind wir gezwungen, das Zelt über seinem Kopf (und über denen von Silvia und Stefan Sch.) einzureißen. Das Wetter ist heute deutlich besser und auch trocken, doch die Navigationsschwierigkeiten und -irrtümer sind die gleichen wie gestern. Deshalb wird heute Norbert zum "Chefkartendeuter" ernannt. Nach diversen Seen und einer herrlich urwaldmäßigen Schilfpassage (maximal 1.5m breit und so verwachsen, daß wir sie nur durch Zufall fanden) sind wir dann auch zur Mittagspause in Almhult.
Weiter geht es durch Kanäle, doch da passiert das Langerwartete, aber nicht Eingetretene: Ein Kanu kentert mit Mann und Maus (und Frau). Silvia und Norbert hatten nämlich ein Wehr zu spät gesehen, konnten aber auf der Wehrkrone aussteigen, womit das Boot gerettet schien. Als es dann jedoch von Horst und Karsten gerammt wird, gibt es kein Halten mehr, und die Ladung schwimmt samt Kanu in Einzelpaketen davon. Diese werden allesamt geborgen, nicht jedoch Silvias Portemonnaie, welches offensichtlich nicht gesichert im Boot lag?! Eine große Suchaktion bleibt erfolglos, und wir finden nur noch eine Tafel Schokolade wieder. Außerdem kann für den Stamm ein neuer Topf an Land gezogen werden (Silvias Boot war wohl nicht das erste ...!).
Schließlich machen wir aus der Not eine Tugend und hieven zahlreiche fremde Kanus, die an das Wehr kommen, darüber, ohne daß die Insassen aussteigen müssen. Nach der Weiterfahrt über eine kleine Stromschnelle und durch Kanäle laufen wir endlich gegen 15.00 in geschlossener Formation wieder das Lager an. Dort kommen wir gerade rechtzeitig zu einer Bannertauschaktion, da unsere Pfadfinder ein Banner der Krefelder und jene unseres (im 3. Anlauf!) geklaut hatten (wobei unsere ein ausgezeichnetes Phlegma entwickelten und trotz Alarmvorrichtungen nicht aus den Zelten zu bewegen waren (Kommentar Volker beim Alarm: "Na und..?")')).
Als alle Sachen zum trocknen aufgehängt sind (unsere Kisten und Mülltüten waren wohl doch nicht ganz dicht), muß Horst seine Aggressionen in einer Prügelei mit einem halben Dutzend Pfadfinder und Rover abarbeiten, während die mehr auf Sauberkeit bedachten erst einmal die Duschen aufsuchen. An diesem Abend geben wir die meisten Kanus wieder zurück


Am nächsten Morgen (16.7.) wird das ganze Lager durch Gebabbel und Gezeter aus dem Leiterzelt geweckt. Nach eigenen Angaben (der Leiter) handelte es sich dabei um "schwedische Lachmöwen" (Kaecks: "..die mit den schwarzen Flügelspitzen"). Nach dem Frühstück besteigen wir zusammen mit 9 Freien Pfadfindern (Schwalben) aus Wuppertal den Bus, um einen Ausflug nach Karlshamn an der Ostsee zu machen, wo wir den Fischerhafen und die Stadt besichtigen sowie einen Tax-Free-Shop mit Schlafsäcken und Trekkingkleidung leerkaufen. Bei unserer Rückkehr nach Ryd erstehen wir noch von den Berlinern eine große Menge Kartoffeln. Gleichzeitig finden wir unseren Bannermast fein säuberlich ausgebreitet.
Unser Verdacht, daß es die Krefelder waren, bestätigt sich später. Desungeachtet setzen wir uns zusammen mit den Wuppertalern den ganzen Nachmittag lang hin und verarbeiten unseren Zentner Kartoffeln zu Reibekuchen, die sogleich "verschwinden". Später ist dann auch Carl-Gustaf unser Gast und wird bewirtet.


Der nächste Tag, Sonntag der 17.7., wird teils als Ruhetag, teils als Waschtag genutzt. Zur Entastung unserer knappen Gasvorräte baut Thilo einen Ladebaum, mit dessen Hilfe über dem Lagerfeuer Wasser warm gemacht werden kann. Nicht alle sind so arbeitsam, und so bereiten uns die Kanus, jetzt zu U-Booten umfunktioniert, großes Badevergnügen. Abends nehmen wir, auf Einladung an einer Lagermesse der KSJ ("Katholische Studierende Jugend" aus Homburg) teil, wobei wir die Gunst der Stunde nutzen und während des pompösen Friedensgrußes aus einem leichtsinnigerweise offenstehenden Zelt das Lagerschild der Schwalben, welches die KSJ abmontiert haben, mitgehen lassen und den Besitzern zurückgeben. Anschließend veranstalten wir einen großen "Singabend gegen die Mücken". In dieser Nacht stellen wir zum ersten Mal wegen der KSJ eine Nachtwache aus, die bei der 4-Uhr-Kontrolle durch Horst selig schlummert.
So sind auch alle am nächsten Tag, dem 18.7., um 7.00 munter, sodaß wir mit den Schwalben im Bus zu einer weiteren Tagestour aufbrechen können. Zuerst steht die Besichtigung der Glashütte Kosta-Boda auf dem Programm, die mit dem Gründungsjahr 1742 die älteste Schwedens ist. Die (Deutsch sprechende) Führung zeigt uns die Werksausstellung, die Glaserschmelzung und die Gravur Abteilung. Anschließend geht es weiter in die Ostseestadt Kalmar, wo wir gegenüber der mächtigen Zitadelle zu Mittag essen. Nach einem Stadtbummel machen wir noch eine Spritztour über die Landbrücke, Europas längste Brücke? (6km), doch auf Öland, einer großen Ostseeinsel, will keiner mehr baden, und so treten wir die Rückfahrt an. Wieder in Ryd, fliegt Silvia in den See, und Christoph erkennt eine neue Berufung: das Baggerfahren.
Das kam so: Carl-Gustaf, von dessen Bagger der Schlüssel geklaut worden war, fragte uns, ob wir einen Mechaniker bei uns hätten. Also machten sich Kaecks und Stefan Sch. auf und schlossen den Bagger kurz, worauf Christoph zum Dank baggern darf.


Abends ist wieder Singabend, den einige bis in den Morgen ausdehnen und kurz nach Mitternacht (19.7.) Martin D. aus dem Zelt holen, um ihm nach Art der Schwalben zu seinem heutigen Geburtstag zu gratulieren (Aufsetzen auf das Hinterteil nach Zahl der Jahre).
Gegen 4.00 mißlingt aufgrund der guten Wache der KSJ eine Aktion gegen deren Banner, und Norbert setzt allem die Krone auf, indem er beim hastigen Rückzug vor den eigenen Leuten flieht. Tagsüber regnet es; einige fahren nach Ryd zum Einkaufen bzw. zur Bageri (Bäckerei/Konditorei), und Silvia fliegt gegen einen von Christoph ausgesetzten Kasten Bier ins Wasser. Nachmittags beginnt dann die Vorbereitung der Pfadfindermesse, die am Abend in Carl-Gustafs Hangar vom Pastor der KSJ für alle anwesenden Pfadfindersippen zelebriert wird. Danach steigt bei strömendem Regen mit den Schwalben und Krefeldern ein großer Abend in unserer Jurte, der mit Singen, Quatschen und Übergabe eines Dankgeschenkes von den Schwalben verbracht wird. 'Um Mitternacht ist auch endlich der Wackelpudding fertig.


Im späteren Verlauf dieses Festes schon am Morgen des 20.7., nehmen Thilo und Karsten zusammen mit einigen Krefelder(innen) bei einer kleinen Nachtwanderung das KSJ-Banner sozusagen "en passant" mit. Diese Tat soll am nächsten Morgen noch zu großem Ärger führen, denn auf einmal fehlen der KSJ auch die Brennereinsätze. Nach einer Morgenrunde mit ernsten Worten unseres Häuptlings begeben sich die Leiter zu Carl-Gustaf, wo es mit den Leitern der anderen Gruppen die große Untersuchung und Aufregung gibt.
Währenddessen geht Sybi im Lager die Wette ein, eine Flasche Zitronensirup unverdünnt in einer halben Stunde zu trinken. Da dieser Sirup aber aus reiner Zitronensäure besteht, muß er nach einem Glas mit schweren Magenkrämpfen abbrechen. Größere Zufriedenheit herrscht später, als herauskommt, daß die Brennereinsätze von eigenen Leuten der KSJ gekraut worden waren. Darauf wird der Friede zwischen uns und der KSJ (von den Leitern!) mit Obstler besiegelt. Währenddessen baggert Christoph wieder, bis er den Greifer im Schlamm verliert, und Kaecks verwandelt Sybi in einen mittelalterlichen Knappen (oder auch in Sybille:.), indem er sich als Friseur versucht.
Später "gehen" mehrere Rover und Pfadis, z.T aufgrund dafür ausgesetzter Kästen Bier, "ins Wasser", doch als auch Andreas fliegen soll, bedarf es einer langen, diplomatischen Überredung durch Niels, bis er sein Einverständnis gibt und mehrere seiner Häscher "mitnimmt". Die folgende Nacht soll die ereignisreichste (oder einzige ereignisreiche?!) Nacht des Lagers werden.
Alles beginnt damit, daß unsere erfolgreichen Bannerklauer gegen 22.00 im KSJ-Lager zum Austausch Banner gegen 10 Dosen Bier + 5 Tafeln Schokolade eintreffen. Gleichzeitig verschwindet unser DPSG-Banner wie vom Erdboden verschluckt. Auf die Beteuerung der KSJ „Wir haben es nicht!" hin, hängen wir über Nacht die Weltpfadfinderlilie hoch, um die Chance zur Revanche zu geben. Das bedeutet Nachtwache für uns, doch wir sichern das Banner zusätzlich mit einer elektrischen Sirene, deren Reißleine an der Bannerschnur befestigt ist. Um 2.00-2.30 entdeckt die Wache einige Boote auf dem See, die von Thilo und Norbert mit einem Kanu verfolgt werden. Leider sind die Boote nur ein Ablenkungsmanöver, und der Hauptangriff kommt von hinten. Die Sirene erfüllt zwar ihren Zweck und verscheucht die ersten Angreifer vom Bannermast, doch dann kommen immer mehr, und schließlich haben wir an die 25 KSJ'ler im Lager, die bewirtet werden wollen, wenn sie schon kein Banner kriegen. Trotz Befürwortung dieser Forderung durch Horst und Klaus gibt es nichts. Vielmehr kommt die Idee auf, die "Gefangenen" auf die Badeinsel im See zu verfrachten, doch auch diese wird von den Leitern abgelehnt, und so ziehen die KSJ’ler unverrichteter Dinge wieder ab. Auch wir gehen zu Bett, doch wegen der allzu lauten Nachtwache schlägt Horst um 5.00 Krach, und damit wird zum zweiten Mal in dieser Nacht das ganze Lager geweckt.


Am nächsten Morgen, wir schreiben den 21.7., kommt dann die Aufklärung: Das DPSG-Banner ging auf Kosten von Andre und Marc K, und die noch in den frühen Vormittagsstunden Verschwundene Weltpfadfinderlilie ist ebenfalls von Pfadis entwendet worden. Nach diesen Klarstellungen endet die Runde in einer positiven Reflexion des Lagers. Später packt Kaecks der Lagerkoller, und so segelt Silvia mal wieder ins Wasser. Doch nachmittags sind alle wieder auf Posten, denn sämtliche Zelte und die Jurte sollen schon heute, am vorletzten Tag, in trockenem Zustand abgebaut werden.
Zum Schlafen in der Nacht werden die grünen Planen als Behelfszelt für alle aufgerichtet. Außerdem wird auch schon weitestgehend der Bus gepackt. In einer Arbeitspause spendiert Horst eine Runde Eis, und nach getaner Arbeit genießen wir eine letzte Dusche. Abends gibt es dann, wieder im Holzunterstand, "Arme Ritter", doch einige können selbst bei so etwas nicht pünktlich kommen; sie kriegen eben nichts mehr. Schließlich gehen die meisten, ausgepumpt von der Arbeit, recht früh in den Schlafsack, doch was dann passiert, ist nur mit einem Ausdruck zu charakterisieren: „Hotte wälzt durchs Zelt", erweitert:" Kaecks und Nils werden mitgerissen.."; so greift der Lagerkoller rasend schnell um sich. Als endlich Ruhe ist, kann einer mehr.
Doch immerhin schaffen wir es, an diesem unserem letzten Morgen des 22.Juli um 7.00 aufzustehen, die letzten Sachen zu verstauen und zur dritten Lagerrunde hier in Schweden zusammenzukommen, die aus Gruppen/LeiterFotos mit Pumpe und einem Abschiedslied besteht. Schließlich verlassen wir um 8.30 unter Klängen von Michael Jackson Blidingsholm und machen uns auf den Weg gen Süden.
Doch noch steht, nach einiger Ratlosigkeit bei der Überfahrt Schweden-Dänemark, ein letzter Programm Besuch in Kopenhagen, wo wir um 13.00 ankommen. Der Aufenthalt fällt jedoch wegen des strömenden Regens "ins Wasser", und daß wir erst gegen 17.00 aufbrechen, liegt einzig und allein daran, daß Kaecks und Sybi öffentliche Busse benutzen wollten, dem offensichtlich aber (noch?) nicht gewachsen waren, denn sie kamen mit ziemlicher Verspätung zum Treffpunkt. Nichtsdestotrotz sind wir um 19.40 in Rodbyhavn und besteigen (oder befahren) um 21.05 die Fähre "Danmark" deren Überfahrt durch das krampfhafte Ausgeben der letzten Kronen und Öre geprägt wird. Außerdem gibt es nach dem Besuch einiger Leiter im Tax-Free-Shop im Falle einer Zollkontrolle 21 Raucher im Bus.
Noch einer ruhigen Fahrt betreten wir um 22.21 wieder deutschen Boden. Nach schneller Abfertigung am Hafen begeben wir uns abermals auf die Straße, doch 2 Minuten nach der Abfahrt, auf der Straße über den Fehmarnsund, ohne Ausfahrt- oder Haltemöglichkeit, muß Oliver plötzlich und greift in seiner Not hinter einem Wall aus Rucksäcken im Bus zu unserem Mülleimer. Dies macht natürlich anschließend eine gründliche Durchlüftung erforderlich, welche wir mit einem kurzen Tankaufenthalt bei der erstbesten Tankstelle verbinden. Danach fahren wir noch etwas weiter und gehen dann gegen Mitternacht auf einen Erstplatz zum Schlafen.
Nach kurzer Zeit hält neben uns ein Polizeiwagen, und die Beamten fragen, ob wir zufällig jemanden vergessen hätten. Darauf zählt Kaecks durch: "Alle da!". Kurze Zeit später kommt der Polizist wieder: „Der Betroffene heißt Oliver Jansen." Wir: „Tatsächlich, Oli fehlt. Aber da hat doch eben noch jemand mit ihm gesprochen?...."Auf jeden Fall wird Oli etwas später von einem anderen Polizeiwagen nachgebracht. Und die Erklärung: Beim Tanken war Oli auf Toilette gegangen und erst wiedergekommen, als der Bus schon weg war. Über den Tankwart hat er dann die Polizei alarmiert; und die schickte einen 'Wagen hinter uns her, um uns zu suchen. Und daß beim Zählen Kaecks trotzdem auf die richtige Zahl kam, lag daran, daß sich Norbert erst hinten im Bus hatte zählen lassen und dann außen rum nach vorne gegangen war, wo er im Dunkeln nochmals erfaßt wurde.


Auf jeden Fall geht es um 7.30 (komplett!!) weiter, und bei einer Pause im Tecklenburger Land stellen wir fest, daß das Durchzählen jetzt, 3 Stunden vor Ende der Reise, langsam klappt. Daß der Vormittag, zumindest für die Pfadis, zu langweilig wird, wird durch den Kasten Cola verhindert, den Klaus aussetzt, wenn Silvia bis Jülich nicht mehr einschläft. Man glaubt kaum, mit welchem Feuereifer die Pfadis am Werk sind. Nach einer letzten Pause bei Titz, wo der Bus etwas gesäubert und so manche Kluft von Klaus zurechtgerückt wird, kommen wir schließlich um 13.23 vor der Sales-Kirche an, wo wegen unserer Überpünktlichkeit das "Empfangskomitee" noch recht dürftig ist. Dennoch dürften die meisten recht froh sein, wieder zu Hause zu sein, wenngleich eine Abstimmung ergibt, daß 20 Mann direkt wieder nach Schweden umdrehen möchten, nur Karsten nicht: Seine Freundin wartet.
Alles in allem können wir auf ein gelungenes Sommerlager zurückblicken, mit viel Spaß, guter Erholung und ohne die üblichen Verletzten, und so ist es nicht verwunderlich, daß der Entschluß gefaßt wird, in zwei Jahren wieder nach Schweden zu fahren.


Nachtrag:
Abends treffen sich zur "Nachbereitung" und "Reflexion" 14 Schwedenfahrer nebst Rolf und Arnold in einer Jülicher Lokalität, um vor allem die verschiedenen, während des Lagers angefallenen Runden abzutragen